Das Steinhaustheater Bautzen, ein Amateurtheater. Kein eigener Verein, sondern Teil des Steinhaus e.V.
Alles begann Anfang der 90er Jahre. In einer Stadt, wo die letzte echte Kneipe einem Konsumtempel geopfert wird. Genau damals versammelten sich etwa 20 vom Sandmann verschonte aber von Neugier Getriebene im einzigen, schon vom Baudreck gesäuberten Raum des Steinhauses - der Küche - und gründeten jenes einzigartige Amateurtheater. Leiter und Gründungsmitglied der Gruppe ist der Schauspieler und Regisseur Hans-Michael Linke, der auch fast alle Stücke inszeniert und betreut. Ideen gab es batzenweise, ein Logo war schnell gefunden. Fee Vogler verband auf wundersame Weise den alten griechischen Musentempel mit dem Tipi-Logo des Steinhauses.
Kontinuierliche Arbeit, Zeit für Entdeckungen, körperlich betontes Spiel bis hin zur Groteske, ohne Effektmanie, kein trügerisch aufwendiges Bühnenbild, sondern der Darsteller im Zentrum, das Publikum die Peripherie. Kurz: intelligentes Volkstheater, das nach schwerer Arbeit leicht daher kommt, ist die Parole seit Anbeginn des Theaters bis heute.
Vom ersten Lesen bis zur Premiere vergehen ein bis anderthalb Jahre. Geprobt wird intensiv meist Dienstag und Donnerstag im Irrenhaus gleich auf der Bühne - dem SPIELRAUM.
Die gut 15 Spieler (mal einer weniger, mal eine ganze Armada mehr), bilden den Kern der Gruppe. Leute zwischen 16 und 60, mit und ohne Fernseher, bunt zusammengewürfelt aus allen Gesellschaftsschichten, eben Schüler, Ingenieure, Beamte, Parteianhänger, Kinogänger und Popen in spe.
Diese Gruppe ist in ständiger Bewegung. Neugierige kommen und viel zu viele gehen, verlassen die Stadt, werden angesteckt, werden Schauspieler. So wie Pedro Stirner, der schon am Deutschen Theater in Berlin spielte, oder wie Karoline Schürer, die in einem Schauspielstudium an der Ostseeküste badete.
Allen ist eines gemeinsam: mit Herzblut, Schweiß und echten Tränen neue Maßstäbe in Sachsens Amateurtheaterszene zu setzen. Nicht nur im SPIELRAUM, in Bautzen, sondern auch Andernorts, in der Mongolei, auf Festivals, Begräbnissen und polygamen Vergnügungsfeiern.